Bereits ist es wieder drei Wochen her, seit ich am IRONMAN 70.3 in Rapperswil gestartet bin. In der Zwischenzeit habe ich bereits wieder mit dem Training gestartet.

Mein Ziel, welches ich mir Anfang des letzten Jahres gesetzt habe war, dass ich den IRONMAN 70.3 unter 5 Stunden und 30 Minuten finishen möchte. Bis dahin habe ich noch keine Mitteldistanz absolviert.

Während mehr als 12 Monaten habe ich mich auf mein Saisonziel 2014, den IRONMAN 70.3 in Rapperswil vorbereitet. Ein geführtes Trainingslager auf Cran Canaria, eine Trainingswoche in Trento und eine in der Toskana. Zusätzlich bis zu 15 Stunden pro Woche Trainingseinheiten im Schwimmen, Radfahren und Laufen. Aber auch Kraft- und Athletiktraining stand auf dem Programm.

Der Trainingsplan war primär auf das Saisonziel „IRONMAN 70.3“ ausgelegt.
Es kam ab und zu vor, dass ich eine geplante Trainingseinheit ausliess oder diese einfach abkürzte. Immer mit dem Gedanken, dass ich ja noch genügend Zeit bis zum Wettkampf habe.

Und plötzlich steht im Trainingsprogramm „Tapering“. Also die Phase vor dem Wettkampf, bei der man den Körper auf den Wettkampf vorbereitet. Dabei werden die Trainingsumfänge reduziert, die Verpflegung angepasst und das Tanken von Energie steht im Vordergrund. Die Taperingphase dauerte bei mir rund zwei Wochen. Jetzt wird mir bewusst, dass ich allfällige Mankos nicht mehr beheben kann. Plötzlich kamen Gedanken auf, die mir klar machen wollten, dass ich noch nicht genügend vorbereitet bin. Ich versuchte diese Gedanken zu reduzieren und mich auf den Wettkampf zu konzentrieren.

Noch drei Mal schlafen bis zum Wettkampf. Die innere Nervosität steigt. Die letzten Vorbereitungen am Material habe ich vorgenommen und konnte nun nur hoffen, während dem Wettkampf keine Panne zu haben.

Und schon ist Samstag, die Startnummer bereits abgeholt sitze ich in der Eishalle in Rapperswil am obligatorischen Athletenbriefing. Das OK erklärt mittels Fotos und Videos die Strecke, zeigt gefährliche Stellen, erklärt die Regeln und zeigt den Ablauf des Rennens. Für mich ist nun klar – es ist soweit. In ungefähr 15 Stunden starte ich im Obersee des Zürichsees auf die 1,9 Kilometer lange Schwimmstrecke mit rund 400 weiteren Athleten in meiner Altersklasse.

In der Nacht auf den Sonntag habe ich gefühlt keine Minute geschlafen. Aber dies ist normal, wie ich in mehreren Literaturen und von Trainingskollegen mitbekommen habe. Trotzdem fühlte ich mich am Wettkampfmorgen einigermassen fit. Im Hotel, welches ich von Samstag auf Sonntag gebucht habe, genossen wir das Frühstück, welches extra für die Athleten bereits um 5 Uhr früh begann.

Ohne Hektik begab ich mich nochmals in die Wechselzone zu meinem Rennrad. Die letzten Vorbereitungen wie Luftdruck prüfen, sonstiger Radcheck machen und die Verpflegung am Rad montieren standen an. Auch lief ich nochmals durch die Wechselzone, um meinen Radplatz nach dem Schwimmen zu finden um so keine unnötige Zeit zu verlieren.

Im Hafen von Rapperswil konnten wir uns einschwimmen. Um uns anschliessend an den Start zu begeben.

Ein Schild auf einem Boot zeigte uns an, dass der Start in fünf Minuten erfolgt.  Da ich mit einer geplanten Schwimmzeit von rund 40 Minuten eher im hinteren Feld aus dem Wasser kommen würde, platzierte ich mich im Startfeld gezielt in den hintersten Reihen. Zudem habe ich mich nicht im Bulk sondern ausserhalb platziert, um möglichst wenig Schläge und Rangeleien zu haben, bzw. zu bekommen. Durch die Platzierung war mir aber bewusst, dass ich nicht die Optimallinie schwimmen kann und so ein paar zusätzliche Meter machen werde. Trotzdem wollte ich das Risiko eines Schlages ins Gesicht durch die Beine des Vordermanns reduzieren.

Das Schwimmen lief für mich sehr gut. Obwohl ich nach kurzer Zeit in eine 2-er Atmung wechselte, um meine Muskeln mit genügend Sauerstoff zu versorgen, kam ich sehr gut vorwärts. Obwohl der See relativ still war, merkte ich, dass es mir während dem Schwimmen schwindelig  wurde. Dies hinderte mich aber nicht, unbeirrt weiter zu schwimmen.

Ca. 400 Meter vor dem Ausstieg aus dem Wasser machte ich mir bereits Gedanken für den Wechsel aufs Rad. Wo hängt mein Wechselbeutel, was muss ich in welcher Reihenfolge anziehen bzw. abziehen, wo finde ich mein Rennrad und wo ist der Ausgang aus der Wechselzone. Aus dem Wasser gestiegen und den Neopren abgezogen gings aufs Rad. Die Radtsrecke verlief zuerst einige Kilometer relativ flach, bevor dann der Witches Hill mit einer Steigung von rund 15% kam. Ich wusste, dass die Radstrecke insgesamt rund 1’100 Höhenmeter beinhaltet. Deshalb versuchte ich immer, möglichst in einem angenehmen Tempo zu fahren, um an den Aufstiegen nicht zu scheitern. Die Aufstiege waren, vor allem auf der zweiten Runde schon hart. Trotzdem konnte ich diese gut und ohne Einbrüche fahren.

Während der ganzen Radfahrt hoffte ich, dass ich keine technischen Defekte hinnehmen muss. Und so war es auch. Während den 90 Kilometer keine Panne, was mich nicht überraschte, aber sehr freute. Murphy lässt grüssen.

Auf den letzten Metern vor dem Wechsel versuchte ich nochmals auf dem Rad Tempo zu machen um so noch einige Sekunden raus zu holen. Der Wechsel zum Laufen war ebenfalls ohne Probleme. Radschuhe aus, Laufschuhe an und los. Bereits von Beginn an konnte ich über meiner geplanten Pace von 4:45 laufen. Die ersten beiden Kilometer absolvierte ich in einer Pace von 4:15. Ich musste mich dann anhalten, langsamer zu Laufen, um die Kräfte einzusparen, da ja noch 19 Kilometer vor mir lagen. Es lief auch beim Laufen bestens. An jedem Wasser- und Verpflegungsstand habe ich mich bedient um meinem Körper genügend Energie zuzuführen. So überstand ich den Wettkampf ohne Einbrüche und Krämpfe durch.

Die letzten paar Meter vor dem Ziel waren für mich dann sehr emotional. Ich wusste, dass sich der Aufwand der letzten 12 Monate gelohnt hat. Ich war von all den Eomtionen überwältigt und die Freudentränen flossen. Die letzten 50 Meter genoss ich richtig. Unter den vielen Zuschauern habe ich sofort meine Freundin entdeckt und freute mich nur noch, sie in die Arme zu schliessen.

Auf die Uhr geschaut stellte ich fest, dass ich 20 Minuten vor der geplanten Zeit im Ziel war.

Sie war es, die mich nicht nur an diesem Rennwochenende optimal unterstützt hat, sondern während der ganzen Vorbereitung unterstützt und auch entbehrt hat. Hier nochmals ein herzliches Dankeschön an Chanti für ihre stetige Unterstützung. Vielen vielen Dank, ich liebe dich!

Auch möchte ich meiner Familie und meinen Kollegen Danke sagen. Sie unterstützen mich in verschiedenen Belangen und nehmen es mir nicht übel, wenn ich seltener im Ausgang anzutreffen bin.

Insbesondere vielen Dank an Rösli, Fränzi, Christian, Franz, Roman, Oli, Pascal, Rita, Ändu, Meli, René und Chanti.

 

Wettkampf-Daten

Startzeit:        8:20

Schwimmen
Distanz: 1,9km
Dauer: 00:35:28
Tempo: 1:50/100m

Wechsel 1: 00:04:21

Radfahren
Distanz: 90km
Höhenmeter: 1’100
Dauer: 02:54:15
Tempo: 31 km/h
Pulsbereiche: 76% im Bereich 150 bis 168 bpm, 5% >168 bpm
Durchschn. Trittfrequenz: 80/min

Wechsel 2: 00:02:11

Laufen
Distanz: 21,1km
Dauer: 01:33:08
Tempo: 04:25/km
Pulsbereiche: 98% im Bereich 156 bis 171 bpm

Zielzeit: 5h 09min 59sec
Rang Alterskategorie: 121/ 247
Rang Overall: 619 / 1420